Das Blogjahr 2020

Gutes Schreiben bedeutet sich zu öffnen und ein wenig auf die Seite zu bluten…

Das habe ich so oder so ähnlich schon hunderte Male in meinen Schreibkursen gehört. Nachdem ich nun auf das vergangene Blogjahr zurückschaue, fühlt es sich einmal mehr richtig und wahr an. Denn ich habe im vergangenen Jahr sehr viel Persönliches geschrieben – veröffentlicht allerdings nur wenig davon. Sicher, klar, ein Blogartikel soll persönlich sein, aber wie viel chaotische Emotionen kann so ein Artikel vertragen, wo man seinen Leser doch nicht zujammern sondern einen Mehrwert mitgeben möchte? Was gebe ich überhaupt für einen Mehrwert mit? Ist es überhaupt wichtig was ich schreibe?

Immer wieder haben mich diese Fragen verfolgt. Immer wieder habe ich mich dagegen entschieden Artikel zu veröffentlichen, weil sie neben den dominierenden Themen des Jahres so unwichtig, so unreflektiert, so selbstzentiert wirkten. Meine Trauer, meine Einsamkeit, meine Wut, aber auch meine Verliebtheit erschienen mir wie nichtiger Kleinkram in dieser fast schon dystopischen Welt. Ich habe zugeschaut wie Rassismus, Politik- und Medienverdrossenheit ihren Siedepunkt erreichten. Habe neue Worte wie Q-Anon und Coronacoaster gelernt. Musste bestehende Begriffe wie Querdenker uminterpretieren und habe hilflos dabei zusehen müssen wie andere die deutsche Geschichte uminterpretieren. Ich habe beobachtet wie sich die Welt um mich herum verändert und gelitten und geblutet und geschrieben, aber gewirkt… gewirkt habe ich wenig, insbesondere auf diesem Blog. Da macht es mich rückblickend wirklich glücklich, dass ihr ein paar unserer Blog-Artikel dennoch sehr häufig gelesen habt.

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Jetzt, nachdem ich mir über den Jahreswechsel hinweg die Zeit genommen habe einmal durchzuatmen und zu reflektieren, stelle ich fest immer wieder die falsche Entscheidung getroffen zu haben. Während „Durchhalten“ mein neues Mantra geworden ist, steht mein Bloggen schon lange auf Wartepause. Dabei liebe ich das Schreiben doch so sehr. Deswegen habe ich mir für dieses Jahr den Vorsatz gefasst hier wieder mehr für euch zu bluten statt nur für mich allein. Schließlich kann Schreiben nicht nur die eigenen Gedanken, sondern auch die von anderen anstoßen, inspirieren, bewegen, motivieren. Hier deswegen zum Abschluss noch einmal ein Artikel, der mich dieses Jahr besonders angesprochen hat. Ich hoffe, dass ich in Zukunft auch wieder mehr Dinge anstoßen kann. Ich wünsche es mir 🙂

Leseempfehlung

Dir fehlt etwas im Lockdown? Gut so, du bist lebendig. Geschrieben von Kristina Marlen auf Krautreporter.

Ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen, freue mich über jeden Kommentar und würde mir wünschen eure Meinung auch mal in größerem Umfang zu hören. Wenn ihr also mal ein paar Gedanken aufschreiben und teilen mögt, sprecht uns jederzeit gerne an. Wir sehen diesen Blog als Plattform für die unterschiedlichsten Gedanken und freuen uns immer über Gastartikel!